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Tag 12 -> 13.03.2007

Frühstück im Hotel
Lange habe ich nicht geschlafen, um 06:45 Uhr werde ich wach und bemerke, dass das Bett neben mir immer noch unbenutzt und Joe nicht schlafen gegangen ist. Mit meiner noch tief in den Gliedern sitzenden Müdigkeit stelle ich mich unter die Dusche, dies verschafft mir die nötige Gelassenheit und lässt mich in eine sanfte Gleichgültigkeit gleiten. Ich suche meinen Bon fürs Frühstück und begebe mich um 07:15 Uhr in den Frühstücksraum im 1. Stock. Wen treffe ich am Eingang zum großen Speisesaal - Joe diskutiert mit Händen und Füßen mit einem Angestellten des Hotels wegen Zutritt zum Frühstücksraum. Nachdem ich den Zimmerschlüssel vorzeige und erkläre, dass Joe bei mir im Zimmer ist lässt er uns Beide durch.

Es gibt ein Frühstücksbuffet, allerdings ist die Temperatur im Speisesaal durch die voll laufenden Klimaanlagen etwas frostig und unterkühlt, wir sind aber nicht ganz sicher ob nicht der fehlende Schlaf an unserem fröstelnden Gefühl schuld ist. Ein Monteur der Fa. MTU aus Friedrichshafen bestätigt uns allerdings die zu kalten Temperaturen im Raum und wir unterhalten uns während dem Frühstück mit ihm. Er erzählt, dass er bereits seit 2 Monaten auf Montage in Kuba ist, mit den kubanischen Arbeitsmethoden so seine Probleme hat und froh ist, bald wieder in die Heimat zu kommen. Es ist natürlich schon etwas anderes ob man hier nur auf Urlaub ist oder berufsbedingt unter schwierigsten Bedingungen arbeiten muss.

Nach dem Joe und ich mit dem Frühstück fertig sind kommt Fritz ebenfalls in den Speisesaal zum Frühstücken. Wir lassen ihn alleine, vereinbaren aber noch uns um 09:30 Uhr zu treffen und gehen aufs Zimmer, wo wir uns noch einmal kurz niederlegen. Zum vereinbarten Zeitpunkt um 09:30 Uhr warten wir vergeblich auf Fritz und Gerhard, sie sind noch im Zimmer mit Koffer packen und Haare waschen beschäftigt, auch der Barkeeper ist nirgends zu sehen. Endlich um 10:15 Uhr haben wir es geschafft die Zimmerschlüssel an der Rezeption abzugeben und plötzlich taucht auch der Barkeeper auf.

Auf der Suche nach Zigarren
Um 10:30 Uhr starten wir mit dem Barkeeper als Reiseführer unsere Tour in Pinar del Rio. Während Fritz und Gerhard mit ihm wegen Zigarren Ausschau halten, lasse ich mich mit Joe bei einem Internet-Treff absetzen um wieder einmal ein E-mail in die Heimat zu senden. Schon bald kommen sie wieder zurück, in Pinar del Rio ist Privatverkauf von Zigarren verboten und daher gar nicht so einfach. Jetzt fahren wir noch zu einer Bank um Geld zu wechseln, Joe setzt sich in der Zwischenzeit mit ausgestreckter Bettelhand am Gehsteig neben eine Säule und schaut mit Dackelblick vorbeikommende Passanten an. Bei zwei jungen Kubanerinnen muss er tatsächlich Mitleid ausgelöst haben, sie legen ihm eine Münze in die Hand und entfernen sich. Noch einmal versuchen wir bei einer anderen Adresse Zigarren zu bekommen, wir werden aber auf später vertröstet und lassen es bleiben.

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Besuch einer Tabakplantage
Um 11:30 Uhr fahren wir zu fünft im kleinen Fiat eingepfercht zu einer der bekanntesten Tabakfarmen in Kuba. Während der holprigen Fahrt entlang endlos scheinender Tabakplantagen bin ich nicht mehr weit weg um so richtig einzuschlafen. Erst als unser Reiseleiter sich auf einer engen Schotterstrasse bei zwei Frauen nach dem richtigen Weg zur Farm von Robaina erkundigt werde ich wieder wach. Kurz danach ist schon von Weitem die Farm zu erkennen, am Eingang ein großer eiserner Schriftbogen „Alejandro Robaina 1845“. Hier in der Gegend von San Luis widmet sich seine Familie bereits seit 1845 dem äußerst schwierigen und anspruchsvollen Job des Tabakanbaus. Nicht umsonst gilt heute "Don Alejandro Robaina" als Kubas bester und mit über 90 Jahren auch ältester Tabakfachmann, dem es gelungen ist, als einziger Tabakbetrieb Kubas nicht in staatliche Hände zu gelangen.

Wir treffen eine lebende Legende
Wir haben besonderes Glück, gerade als wir bei der Farm vorfahren ist der Seniorchef Robaina mit seinem Enkel dabei ins Auto einzusteigen um wegzufahren. Wir steigen sofort aus und er wartet noch und begrüßt uns freundlich, wir sind beeindruckt und sind uns voll bewusst, dass eine Legende des kubanischen Tabakanbaus vor uns steht. Fritz zeigt ihm ein Foto, das ihm Chino aus Moron mitgegeben hat und überbringt schöne Grüße. Jeder macht mit ihm ein Foto und danach verabschiedet er sich freundlich von uns. Beeindruckt von diesem unerwarteten Treffen machen wir nun eine Führung mit noch 8 anderen anwesenden Gästen.

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Führung in der Plantage
Haben wir uns bisher große, weite Tabakfelder im Freien vorgestellt, so werden wir jetzt eines Besseren belehrt. Die Führung findet in einem von einem zeltähnlichen Stoff überdachten Feld statt, vom Züchten der kleinen Samen bis zur heranwachsenden Tabakpflanze ist alles zu sehen. Man erklärt uns, dass zur Produktion der großen, dünnen Blätter für die Zigarrendeckblätter über den Feldern große Baldachine aus feinem lichtdurchlässigen Gewebe errichtet werden. Diese filtern etwas von der Sonnenkraft heraus, was den Blättern einen zarteren Geschmack gibt. Bei den dafür verwendeten großblättrigen Stämmen werden vor der Blüte die Blütenstände oben an der Pflanze entfernt, damit sich das Wachstum auf die Blätter konzentriert. Die Blätter werden dann, sobald sie einen bestimmten Reifegrad erreicht haben, zeitlich gestaffelt von Hand geerntet. Man hängt sie in der Folge in Trockenspeichern auf, wo sie an der Luft, über einem Feuer oder mittels Trocknungsautomaten getrocknet werden. Jede Tabaksorte welkt, färbt sich und trocknet so auf spezielle Weise, um jeweils das erwünschte Aroma zu erzielen.

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Anschließend erhalten wir in einem Trocknungsschuppen von einem älteren Kubaner eine Vorführung über das Drehen einer Zigarre (>zum Video "Zigarre drehen"). Auch dieser Arbeitsvorgang wird von unserem Führer in bestem Englisch erklärt, allerdings spricht er so schnell, dass man nur mit Mühe folgen kann. In kurzer Zeit ist händisch eine Zigarre gefertigt und der Kubaner überreicht die Zigarre an Joe. Unser alter Fuchs Joe hat schon vorher, während wir alle interessiert den Trocknungsschuppen angeschaut haben dem Kubaner unbemerkt sein Trinkgeld zugeschoben. Auch die zweite handgedrehte Zigarre übergibt er zur Überraschung der andern Zuschauer an Joe. Wir übergeben dem alten Kubaner nun ebenfalls ein Trinkgeld und auch die anderen Gäste schließen sich nicht gerade erfreut dem an, umso mehr freut sich der alte Mann über das reichliche Taschengeld.

Gastfreundschaft in Kuba
Danach werden wir vom Robaina der 2.Generation auf die Veranda des Hauses eingeladen, wo wir bei Kaffee über Zigarrenanbau und Sonstiges plaudern. Auf einem Beistelltisch sind Informationsblätter und Broschüren über den Tabakanbau zu finden. Auch ein großes Fotoalbum liegt auf dem Tisch, in dem Fritz völlig überraschend Bilder von Robaina auf einem Schweizer Bodenseeschiff findet. Wir erfahren, dass während eines internationalen Tabakkongresses in der Schweiz ein Ausflug an den Bodensee gemacht wurde. Wir könnten noch stundenlang die Gastfreundschaft genießen und in den Schaukelstühlen sitzen, müssen uns jedoch nach einem weiteren Fototermin mit Herrn Robaina junior verabschieden.

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Wir fahren wieder zurück
Nach dem eindrucksvollen Besuch der Tabakplantage fahren wir wieder nach Pinar del Rio und setzen den Barkeeper im Hotel ab. Leider haben wir keine Zeit mehr eine Zigarrenfabrik zu besuchen, es ist jetzt schon 14:00 Uhr und wir müssen wieder auf die Autopista um Richtung Havanna zu fahren.

Um ca. 16:00 Uhr ist Fritz vom langen Fahren müde und übergibt das Steuer an Gerhard. Der bemerkt sofort, dass die Tankanzeige wieder einmal auf Reserve steht. Wir fahren auf der Autopista weiter in der Hoffnung, dass vielleicht doch noch eine Tankstelle kommt. Leider hat sich unser Wunsch nicht erfüllt, nach einem Gesamtkilometerstand von 3.136 km ist um 16:15 Uhr Schluss mit fahren und Gerhard stellt den Wagen auf dem Grünstreifen ab. Ein gerade vorbeifahrendes Pferdefuhrwerk halten wir an, mit dem Fritz wieder einmal mit einer leeren Mineralwasserflasche bewaffnet Benzin holen geht. Laut Auskunft des Pferdekutscher ist die nächste Tankstelle nur ca. 2 km in einem Ort rechts von der Autopista entfernt.

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Salatöl oder Benzin?
Um 16:58 Uhr kommt Fritz mit einem Lastwagen auf der anderen Richtungsfahrbahn zurück und während er die Fahrbahn quert, denke ich mir noch, dass die gefüllte Flasche eher nach einem schlechten Salatöl ausschaut als Benzin. Er füllt die ganze Flasche ein und wir versuchen den Wagen zu starten, leider erfolglos wie sich herausstellt. Auch nach zahlreichen Startversuchen macht der Motor buchstäblich keinen Zappler, jetzt riechen wir an der Flasche, ob er nicht versehentlich Diesel statt Benzin gebracht hat. Es schmeckt allerdings nicht nach Diesel und erst jetzt sagt uns Fritz, dass er den Sprit nicht an einer Tankstelle sondern an einem Bauernhof geholt hat. Es dürfte sich hier um minderwertigen Benzin mit niedriger Oktanzahl handeln, der wohl für die alten Autos der Kubaner geeignet ist aber in modernen Fahrzeugen wegen fehlender Zündwilligkeit nicht betrieben werden kann. Jetzt ist guter Rat teuer und es bleibt uns nichts anderes übrig als wieder Jemanden anzuhalten. Ein weißer Lada nähert sich uns und wir geben Zeichen zum Anhalten. Der Fahrer steigt aus und Fritz erklärt ihm unser Spritproblem. Der Kubaner fackelt nicht lange, öffnet die Motorhaube seines Ladas und reißt den Benzinschlauch vom Vergaser und hält ihn in unsere leere Mineralwasserflasche. Während Fritz die Flasche hält lässt er die Benzinpumpe laufen und füllt so im Nu die Flasche. Nach einfüllen in unseren Tank ersuchen wir noch um eine zweite Flasche Benzin. Danach schütteln wir wie Verrückte zu Viert unser Auto hin und her um den Benzin im Tank gut zu vermischen. Siehe da, nach 7 bis 8 Startversuchen läuft der Motor zwar vorerst stotternd aber kurze Zeit später wieder tadellos. Wir bedanken uns bei dem hilfreichen Kubaner mit einem saftigen Trinkgeld und haben jetzt wieder viel gelernt - beim nächsten Spritmangel (der hoffentlich nicht mehr kommt) einfach Kubaner fragen, nicht verzagen. Sie sind alle Meister in solchen Situationen und das tägliche Improvisieren gewohnt.

Wir fahren zur nächsten Tankstelle und füllen den Tank auf und kommen um 18:35 Uhr ziemlich müde, total erledigt aber mit großem Hunger wieder bei Mayra in Havanna an. Sie freut sich wieder für uns kochen zu können und nach dem reichlichen Abendessen denkt keiner mehr ans Ausgehen. Jeder sehnt sich nach einem Bett und wir verziehen uns nach einem erreignisreichen Tag recht bald in unsere Zimmer.

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