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Tag 11 -> 12.03.2007

Endlich gut und lange geschlafen
Heute Nacht habe ich geschlafen wie ein Murmeltier und werde auch erst um 07:00 Uhr endlich wieder einmal richtig ausgeschlafen wach. Das Bett neben mir ist leer und von der Küche kommen bekannte Geräusche der Frühstückszubereitung. Nach einem freundlichen „Buennos diaz“ zu unserer Gastgeberin Mayra die emsig in der Küche werkelt entdecke ich Joe grinsend im Wohnzimmer auf dem Schaukelstuhl vor dem Tigermotiv-Wandteppich und vom Balkon höre ich die Papageien zwitschern. Ich schau mir die Vögel noch einmal genauer an und wie auf Kommando ist das Zwitschern am Balkon vorbei. Neugierig und frech betrachten die zwei wunderschönen Papageien in einer Ecke kauernd auch mich und wie auf ein Zeichen sind Beide wieder zu hören.

Für heute haben wir uns vorgenommen zwei Tage in den Westen nach Pinar del Rio zu fahren. Nach dem ausgiebigen Frühstück erklärt uns Mayra wie wir die Autopista nach Pinar del Rio finden. Wir packen in unserem Handgepäck das Notwendigste ein und sitzen bis zur Abfahrt im Wohnzimmer herum. Mayra ist wieder ständig mit ihrer Lieblingsbeschäftigung am Telefonhörer beschäftigt und auch Fritz sitzt im Schaukelstuhl um noch schnell seine zahlreichen SMS in die Heimat zu verschicken. Eigentlich sind wir schon startbereit bis auf einmal Fritz bemerkt, dass er heute noch nicht geduscht hat und sich grinsend in Richtung Dusche verabschiedet. Um 10:00 Uhr ist es endlich soweit und nach innigen Umarmungen und Wangenküsschen verabschieden wir uns von Mayra und fahren Richtung Pinar del Rio.

Ab in den Westen
Wir fahren quer durch die Millionenstadt Havanna und finden die Straße nach Pinar del Rio durch die gute Beschreibung von Mayra sofort und stellen fest, dass wir heute alle voller Tatendrang sind. Das angenehme, weiche Vormittagslicht, die kubanische Begleitmusik vom Autoradio und die vorbeiziehende abwechslungsreiche Landschaft lassen in uns so richtig den Wunsch aufkommen, das Land des Fidel Castro mit all seinen Schönheiten zu erkunden. Die Autopista ist hier relativ gut ausgebaut und das bereits bekannte Geschehen auf der eher wenig befahrenen Strasse wiederholt sich. Alles Mögliche ist auch hier wieder unterwegs wobei ich bemerke, dass sehr viele Ochsengespanne mit beladenen zweirädrigen Holzkarren entlang der Strasse unterwegs sind. Auch an den angrenzenden Wiesen sind überall Ochsen und magere Kühe an starken Tauen angebunden zu sehen. Postkartenwetter mit blauem Himmel und strahlend weißen Wolken lassen unsere Fotoapparate auch während der Fahrt die herrlichen Landschaftsmotive einfangen. Je weiter wir Richtung Westen kommen umso grüner, bewaldeter und hügeliger wird die Gegend, herrliche Bananenplantagen, riesige Reis- und Tabakfelder säumen die Strasse.

Nach etwa eineinhalb Stunden Autofahrt machen wir an einer Raststätte eine Kaffeepause. Hier erkundigt sich Fritz bei einem Buschauffeur einer Touristengruppe über den Weg ins Vinales-Tal, wo wir das Indiander-Camp „Cueva del Indio“ besuchen möchten. Wir erhalten den Tipp, bei der nächsten Abfahrt nach rechts Richtung Vinales zu fahren. Aufkommende Schwüle begleitet unsere Weiterfahrt und wir sind uns nicht so einig darüber, ob die eher bescheidene Klimaanlage unseres Autos zu viel oder zu wenig eingestellt ist. Ich meinerseits würde die Klimaanlage auf vollen Touren laufen lassen, aber meine Kollegen sind eher für ein Drosseln der Anlage. Ich sitze am hinteren Sitz und hole mir die Frischluft durch leichtes öffnen des Fensters. Beim Überholen von Lastwagen ist es allerdings ratsam, das Fenster zu schliessen und die Lüftungsanlage abzuschalten um in der dicken Rauchfahne der Abgase nicht zu ersticken. Wir erreichen die Abfahrt, an der wie überall üblich zahlreiche Kubaner auf eine Mitfahrgelegenheit warten.

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Abstecher ins Vinales-Tal
Eine schmale, extrem holprige und kurvenreiche Strasse führt uns zwischen Tabakplantagen und Pinienwälder hindurch. Kleine, ebenerdige Häuschen mit Veranda sind vereinzelt an der Strasse zu sehen, in den Feldern sehen wir große, weissgetünchte Holzschuppen die zum Trocknen der Tabakblätter verwendet werden. Hier in diesem fruchtbaren Tal, befindet sich auch das beste Tabakanbaugebiet Kubas. An einem Tabakfeld bleiben wir stehen und steigen aus um einen großen Trocknungsschuppen von innen anzuschauen. Es ist gerade Mittagszeit und am Eingang des Schuppens sitzen kubanische Frauen, bei denen Fritz kurz anfragt ob wir einen Blick hineinwerfen dürfen. Schon von draußen weht uns der herrliche Tabakgeruch entgegen und nach freundlicher Begrüßung betreten wir den dunklen Schuppen. Frauen sitzen oder liegen auf Holzablagen und am Boden herum, zigtausende Tabakblätter hängen gutsortiert von der Decke. Die unterschiedlichen Trocknungsgrade der Blätter sind leicht erkennbar und wir machen unsere Schnappschüsse. Unser Trinkgeld nehmen die Frauen mit einem breiten Grinsen entgegen und wir setzen unsere Fahrt weiter fort.

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Die Strasse wird immer kurvenreicher und ab jetzt geht’s bergauf, im Hintergrund ist das massive Kalksteingebirge schon erkennbar. Die erste Hinweistafel über das Vinales-Tal ist zu sehen und wir fahren an einer schönen Königspalmen-Allee vorbei, die gerade voll in der Blüte ist. Wir bleiben kurz stehen um die herrliche Palmen mit den roten Früchten zu fotografieren, da die Blütezeit dieser Palmen nur alle 10 – 15 Jahre erfolgt und nicht so oft zu sehen ist. Nun stellt sich bei uns langsam der Hunger ein, weshalb wir an einem schönen Restaurant abseits der Strasse zu Mittag essen. Umgeben ist dieses Restaurant von Tabakfeldern und allen möglichen Haustieren. Beim Verlassen des Restaurants sehen wir einen Auerhahn mit aufgeblähtem Gefieder stolz und aufgeregt hin und hergehen, vermutlich ist er auf der Balz und will nicht gestört werden.

Wir erreichen den kleinen, verschlafenen Ort Vinales, der eigentlich nur aus einer Hauptstrasse und ein paar Querstrassen besteht. Kleine, einstöckige pastellfarbige Häuschen und eine Baumallee säumen die Strasse. Auf der Strassenseite ist vor jedem Haus eine Veranda mit Schaukelstuhl zu sehen, in denen vereinzelt alte Männer und Frauen mit gegerbten Gesichtern schaukelnd vor sich her sinnieren. Linksseitige der Strasse bemerken wir eine Bank in der Fritz Geld wechseln möchte. Er kommt allerdings sofort wieder zurück, da die Bank hoffnungslos überfüllt ist und er vor Ladenschluss sicher nicht mehr dran kommt.

Cueva del Indeo
Wir fahren weiter, vor uns sehen wir riesige Kalksteinberge, die aus der fruchtbaren Ebene wie kleine Monster mit den verschiedensten Figuren emporragen. Diese stark verwitterten und bewachsenen Felsen waren einst die Säulen eines gewaltigen Höhlensystems, das sich vor 160 Millionen Jahren ausgeformt hat. Wir erreichen Cueva del Indio und stellen unser Auto an einem schattigen Parkplatz ab und lösen unser Ticket für den Besuch der Kalksteinhöhle. Eine schweizer Touristengruppe mit älteren Eidgenossen quält sich gerade mühsam die Treppen zum Eingang der Höhle herauf und Fritz kommt auf die Idee, sie vorzulassen und uns dann der Gruppe anzuschliessen, um die Infos vom Reiseführer mitzubekommen. Dieser Vorschlag erweist sich als Bumerang, da wir in den engen, teilweise niedrigen Höhlengängen durch die älteren Besucher nur sehr schleppend und langsam vorankommen und vom Vortrag überhaupt nichts mitbekommen. Bei der unterirdischen Bootsfahrt heißt es ebenfalls lange und geduldig warten bis wir endlich an der Reihe sind. Bei der Bootsfahrt erklärt der Bootsführer die verschiedensten Tropfsteinformationen, wie z.B. eine Schlange, ein Seepferdchen und sonstige Abbildungen bzw. Abdrücke. Die Fahrt dauert nicht lange und beim Ausgang ins Freie ersucht der Bootsführer um das obligatorische Trinkgeld. Beim Ausgang aus der Höhlenanlage werden an mehreren Verkaufsständen kubanische Souvenirs angeboten, ein Kubaner steht mit einem riesigen Ochsen für einen Fototermin um 1 CUC bereit. Das Tier ist allerdings so riesig und schaut eher furchterregend aus, weshalb alle im großen Bogen um das Tier herumgehen und niemand für ein Foto auf den Sattel sitzt.

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Wir fahren wieder zurück und machen in einem offenen Restaurant unter einem großen Felsen eine kurze Pause. An einem Tisch sitzen 4 Kubaner und einer davon klimpert auf einer Gitarre herum und singt mit rauer Stimme dazu. Wir bestellen unseren Kuba-Libre und nach kurzer Zeit kommt der Musiker gitarrespielend zu uns an den Tisch und lächelt uns mit verschmitzten Augen an. Bald stellt sich heraus dass er eine Mitfahrmöglichkeit nach Pinar del Rio sucht, leider können wir ihm in unserem Auto aber keinen Platz anbieten.

Pinar del Rio

Endlich um 18:15 sind wir in Pinar del Rio, der Hauptstadt des Tabaks und der Stadt der vielen Säulen eingetroffen. Wir haben schon vorher beschlossen, dass wir heute das erste Mal in einem Hotel übernachten werden. Wir suchen und finden auch bald das Hotel „Pinar del Rio“, wo wir pro Person um 19.- CUC ein schönes Zweibettzimmer bekommen. Wir möchten uns noch vor Einbruch der Dunkelheit im hoteleigenen Swimmingpool vergnügen, allerdings schwimmt im Pool eine Boje mit einer roten Fahne und nach Fragen beim Personal der angrenzenden Poolbar erfahren wir, dass er wegen Chlormangel gesperrt ist. Enttäuscht gehen wir wieder aufs Zimmer zurück und genießen dafür die Dusche, da wir erstmals nach 10 Tagen warmes Wasser zur Verfügung haben.

Nach dem Abendessen an der Poolbar spazieren wir entlang der Hauptstrasse ins Zentrum von Pinar del Rio, wo wir erstmals die einzigartigen Prachtbauten mit den verschiedensten Säulen bewundern können. Ein geeignetes Lokal für einen gemütlichen Hock finden wir allerdings nicht und am Ende der Hauptstrasse begegnen wir an einem Hoteleingang einer aufreizend angezogenen jungen kubanischen Lolita die wir nach einem Lokal mit Musik fragen. Sie spricht gutes Englisch und verspricht uns ein geeignetes Lokal zu zeigen. Die Lady ist nicht schüchtern und versucht ziemlich aufdringlich sich mit allen Mitteln bei uns beliebt zu machen. In einer Seitenstrasse finden wir das Lokal wo schon mehrere junge Leute davor stehen. Ein Türsteher ist damit beschäftigt, das völlig überfüllte Lokal vor weiteren Gästen zu schützen. Nachdem wir feststellen, dass der Zutritt hier nicht möglich ist machen wir uns schleunigst aus dem Staub und gehen zielstrebig wieder zum Hotel zurück. Hier finden wir genau das was wir gesucht haben, an einer Bar hinter dem Hoteleingang spielt eine Musikkapelle und wir nehmen an einem Tisch Platz.

An der Hotelbar - Stromausfall inklusive
Es ist hier Selbstbedienung an der Bar und die Tische werden nicht abgeräumt. So sitzen wir mit unseren Bucanero-Bieren an einem mit leeren Bierdosen angerammelten Tisch. Das stört hier aber niemand, allerdings ist die Optik verheerend und ein außenstehender Betrachter würde uns Vier ganz sicher als absolute Alkoholiker abstempeln. Die Musik spielt wieder mit vollem Einsatz und sogar ein in Kuba üblicher Stromausfall kann sie nicht stoppen und lässt sie völlig unberührt. Wir sitzen im absoluten Dunkeln und hören nur noch die Klänge der Musik und nach dem die Hotelbeleuchtung wieder einschaltet ertönt tosender Beifall für die Musik. Wie immer üblich das selbe Prozedere nach einigen Musikstücken, der Bandleader kommt vorbei um seine CD an den Mann zu bringen. Wir kommen mit ihm ins Gespräch und erfahren, dass er öfters mit seiner Gruppe im süddeutschen Raum auf Tournee geht.

Auch nachdem die Musik bereits weg ist wird eine Bierrunde nach der anderen bestellt, auf unserem Tisch ist bald kein Platz mehr zum Abstellen eines Getränkes. Jetzt kommt endlich jemand um die leeren Dosen zu entsorgen, Fritz unterhält sich inzwischen mit dem Barkeeper und vereinbart für Vormittag 09:30Uhr mit ihm einen Termin um Zigarren zu kaufen. Ein Tisch neben uns sitzt eine Gruppe Kubaner die sich nach dem Abräumen unseres Tisches zu uns gesellen. Wir erfahren, dass sie für soziale Zwecke mit einem Kleinbus unterwegs sind und Fritz glaubt den Wortführer der Gruppe aus Moron zu kennen. Die zwei Ladys der Gruppe, eine davon ist übrigens bildhübsch aber sehr schüchtern, sitzen eher ruhig am Tisch und verfolgen aufmerksam unsere Gespräche.

Noch immer nicht müde
Nachdem sich die Gruppe entschließt schlafen zu gehen stehen auch wir auf und bemerken, dass wir noch immer nicht müde sind und gehen mit Ausnahme von Gerhard noch einmal in die Stadt. Es ist mittlerweile 02:30 Uhr und wir schlendern entlang der leergefegten Hauptstrasse ins Zentrum. Vor einem Lokal lungern ein paar Jugendliche herum und unsere Bekanntschaft vom ersten Abendspaziergang taucht wie Phönix aus der Asche wieder auf. Mittlerweile sind auch wir nicht mehr ganz nüchtern und haben vorerst unseren Spaß mit der Lady, mit allen Mitteln versucht sie vergeblich mit einem von uns ins Geschäft zu kommen. Nachdem wir feststellen, dass außer aufdringlichen Chicas nichts zu finden ist bewegen wir uns wieder Richtung Hotel, unser unfreiwilliger Aufriss begleitet uns dabei und lässt sich ganz einfach nicht abschütteln. Im Eingangsbereich des Hotels sitzt der Nachtportier mit einem Kollegen gelangweilt auf einer Sitzgruppe herum und auch wir nehmen hier Platz und versuchen unserer Begleitung zu erklären, dass sie hier nicht erwünscht ist. Obwohl wir insgeheim gehofft haben, dass das Hotelpersonal offensichtlichen Damenbesuch nicht erlaubt, lässt den Nachtportier unsere Auseinandersetzung mit der Lady völlig kalt und mischt sich nicht ein.

Nachdem wir unsere nächtliche Begleitung endlich dazu gebracht haben das Hotel zu verlassen, ist Joe mit dem Nachtportier so eifrig im Gespräch, dass er nicht dazu zu bewegen ist ins Bett zu gehen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen geben Fritz und ich auf und verziehen uns um 04:30 Uhr in unsere Zimmer.

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