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Tag 09 -> 10.03.2007

1. Tag in Havanna
Ab 04:30 Uhr in der Früh höre ich von draußen lautes Gejaule streunender Hunde, das mich nur noch im Halbschlaf hält. Da nicht mehr ans Schlafen zu denken ist stehe ich um 05:30 Uhr auf und öffne die Jalousien. Ein frischer Wind kommt durch die Fensterfront herein, es gibt hier nicht wie bei uns Glasscheiben sondern nur Blechjalousien an den Fenstern. Ich gehe ins Wohnzimmer und danach auf den Balkon um mich umzuschauen. Auch der Balkon ist, obwohl im 3. Stock des Plattenbaus, mit Gitterstäben verbarrikadiert, dafür hat man von hier einen guten Ausblick auf Havanna, allerdings ist das Zentrum von Havanna zu weit weg und in anderer Richtung. Im Wohnzimmer hängt ein großer Deckenventilator, eine Wand wird mit einem großen kitschigen Tigermotiv-Wandteppich geschmückt. Der übliche Schaukelstuhl und dazupassende Holzsessel, eine Sitzbank und ein kleines Tischchen sind im Zimmer, natürlich auch ein Fernseher sowie eine Stereoanlage. Auch ein Telefon steht auf dem kleinen Tischchen und erweist sich in den nächsten Tagen als wichtigstes Komunikationsmittel für Mayra, die pausenlos und mit voller Lautstärke telefoniert. Eine Vase mit Plastikblumen, zahlreiche Holz- und Porzellanfiguren sowie eine fahrbare Minibar stehen herum.

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Mayra richtet in ihrer kleinen Küche das Frühstück und auch von hier kommt man auf einen Balkon, von dem die Sicht in Richtung Havanna etwas besser ist. Ein alter Waschtrog sowie ein altes Vorratsfass an der Decke sind auf dem Balkon angebracht und auf einem Wäscheseil flattert Wäsche im Wind. Das Frühstück nehmen wir in einem kleinen Raum ein, in dem Mayra geschlafen hat, es ist ebenfalls hervorragend. Zum Geburtstag von Fritz hat auch Mayra einen Kuchen gekauft, den vor allem ich geniessen kann. Der Weichkäse, den wir auf der Autopista gekauft haben ist übrigens ausgezeichnet und nach dem ausgiebigen Frühstück starten wir mit dem Auto Richtung Havanna Zentrum.

Wir fahren bis zur Autopista wieder dieselbe Strecke zurück wie gestern Abend um uns die Strecke jetzt bei Tageslicht besser einprägen zu können. Es sind ungefähr noch 10 km bis wir ins Zentrum gelangen, nach der Untertunnelung der Hafeneinfahrt ist linksseitig die imposante Hafenfestung „Castillo de la Real Fuerza“ zu sehen. Ein großes vollbeladenes Containerschiff fährt gerade in den Hafen ein, wir steigen aus um ein paar Bilder zu machen. Danach drehen wir um und fahren in Richtung Malecon entlang der berühmten Uferstrasse. Die amerikanische Botschaft wird durch zahlreiche schwarze kubanische Flaggen geziert, sodass das scharf bewachte Gebäude von Vorne kaum wahrzunehmen ist. Kurz nach der Botschaft steht an der Strasse eine große schwarze Tafel mit dem Konterfei von Bush und einem zweiten Staatsmann, die mit Hitler verglichen werden.

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Am Malecon
Wir fahren weiter entlang der Prachtstrasse mit den verschiedenen Botschaften und schönen Villen auf beiden Strassenseiten. Bemerkenswert und verblüffend ist hier eine technische Einrichtung an den Ampelanlagen, wo die Zeit der Grün- und Rotphase an gut ersichtlichen Displays eingeblendet wird. Die österreichische Botschaft finden wir leider nicht, wir betanken noch unser Auto und fahren wieder zurück und parken bei einem Tourismusgebäude, wo Fritz eine Mitarbeiterin der LTU-Fluggesellschaft besuchen möchte. In der Zwischenzeit wechseln wir in der Bank noch Geld und danach stellen wir unser Auto auf einem Parkplatz nahe der Hafeneinfahrt ab. Wir schlendern jeder für sich durch den gerade geöffneten Markt und treffen uns anschließend in einem nahegelegenen Cafe zu einem Drink. Direkt am Marktplatz ist der Startplatz für Kutschenfahrten durch die Altstadt und zahlreiche Animateure versuchen uns zu einer 1-stündigen Rundfahrt zu überreden.

Die Altstadt erkunden
Jetzt beginnen wir unsere Tour in die Altstadt und bemerken, dass hier erstmals Hinweisschilder angebracht sind. Wir erreichen als erstes den „Plaza de la Katedrale“ mit der wunderschönen Kathedrale wo schon zahlreiche Touristen mit ihren Kameras im Anschlag herumlaufen. Weiter geht’s entlang enger Gassen mit abbröckelnden Fassaden und kleinen Geschäften und Verkaufsständen, wo vor allem Gerhard wieder nach Musikinstrumenten sucht und auch findet. In einem kleinen Laden entdecken wir Ansichtskarten und erledigen jetzt unsere Post in die Heimat. Danach kommen wir an einer riesigen Baustelle mit einem modernen Gebäude vorbei und im mit Gittern abgesperrten Fußgängerdurchlass stinkt es verheerend. Wir erreichen eine Querstrasse, die Fußgängerzone ist und der Fußgängerstrom zunimmt und die Hölle los ist. Man begegnet hier Menschen aller Farbschattierungen, junge braungebrannte Frauen mit prallen, unter Miniröcken oder hautengen Hosen kaum verborgenen Hintern genauso wie alte Herren, die würdevoll daherschreiten, Jugendliche und verliebte Paare Hand in Hand. Man sieht sich plötzlich allen möglichen Individuen der menschlichen Gesellschaft gegenüber und wie ferngesteuert bewegt man sich in Richtung des Menschenstroms. Während wir so dahin schlendern sehen wir auf der rechten Seite ein schönes Lokal mit Terrasse und Live-Musik, da es mittlerweile schon 13:00 Uhr ist entschließen wir uns hier Mittag zu essen.

Nach dem Mittagessen geht's weiter Richtung Zentrum und wir kommen direkt am Hemingway-Cafe El Floridita vorbei, ich werfe einen kurzen Blick in das total überfüllte Lokal, in dem noch immer ein Barhocker für Ernest Hemingway freigehalten wird. Im Wohnblock gegenüber entdecken wir im 1.Stock einen exquisiten Zigarren- und Rumladen, die angebotenen Zigarren und auch der Rum sind aber zu teuer.

Zwei Strassen weiter sehen wir schon von weitem das Capitolio, das ganz dem amerikanischen Kapitol in Washington nachempfunden ist. Mittlerweile haben wir die Fußgängerzone verlassen und auf der Strasse zum Capitol ist ein heilloses Durcheinander der verschiedensten Verkehrsmittel, Fahrräder, Fahrrad-Taxis, uralte Strassenkreuzer, Motorräder mit Beiwagen, Kutschen und klappernde Busse. Auf dem mittig angeordneten, breiten Stiegenaufgang zu dem prachtvollen Capitolio tummeln sich viele Besucher. Das Gebäude wurde 1926 als Sitz der Legislative gebaut und diente diesem Zweck bis 1959. Heute ist es ein Kongresszentrum und steht ansonsten der Öffentlichkeit zur Besichtigung offen.

Das Gelände, auf dem sich das Kapitol befindet, war ursprünglich ein Sumpfgebiet und wurde in der spanischen Kolonialzeit erst zur Beherbergung von Sklaven, später dann als Botanischer Garten genutzt. Joe und ich entschliessen uns eine Besichtigung im Hause zu machen und erhalten nach Betreten des Eingangsbereichs eine private Führung von einer netten, jungen Kubanerin. Unter der mittig angeordneten hohen Kuppel, die dem Petersdom in Rom nachempfunden ist, steht eine der größten in einem Gebäude untergebrachten Statue der Welt, die 14 m hohe "La Republica". Die Mitte der beindruckenden Kuppel wird durch einen im Boden eingelassenen Diamanten markiert, der als Nullpunkt Kubas gilt, von dem aus all Entfernungen gemessen werden. Die zahlreichen Räumlichkeiten, die heute als Konferenzräume dienen, tragen die Namen von Orten, die in der Geschichte des kubanischen Befreiungskampfes gegen die spanische Kolonialherrschaft (1868-1898) eine bedeutende Rolle spielten: Baire, Bolívar, Baraguá, Yara y Jimaguayú. Auch der halbrunde Plenarsaal, wo früher Politik gemacht wurde, konnten wir besichtigen. Die schwarze, dunkle Möblierung verbunden mit den mit italienischem Marmor verkleideten Wänden beeindrucken den Besucher.

Nachdem wir das Gebäude verlassen sehen wir auf dem Treppenaufgang zwei Mädchen im Dress einer Mannschaft der Dominikanischen Republik mit großen Schritten die Treppe rauf und runter zu rennen. Unten stehen zwei Trainer die die jungen, hübschen Mädchen beobachten und anfeuern. Anschließend gehen Joe und ich wieder Richtung Hafen und als wir beim Cafe Monserrate vorbeigehen treffen wir Fritz und Gerhard und gehen ins Cafe auf einen Drink. Joe kann der Versuchung nicht widerstehen, an der wunderschönen Bar einen 10-jährigen Rum zu bestellen und zu geniessen. Beeindruckend vor diesem bekannten Lokal ist der Türsteher, der mit seiner Größe jeden neben sich zum Zwerg werden lässt. Der Hühne ist absolut freundlich und hat sichtlich Spaß daran, mit wesentlich kleineren Artgenossen fotografiert zu werden. Nachdem wir unsere Fotos gemacht haben schlendern wir wieder zurück zum Hafen und fahren nach Hause. Obwohl wir uns die Abfahrt zum Bezirk von Mayra gut eingeprägt haben verfehlen wir leider die Ausfahrt und sind völlig falsch abgefahren. Über Umwegen und wiederholtem Fragen finden wir mit ziemlicher Verspätung den richtigen Weg und sind um 17:30 Uhr bei Mayra. Im schräg gegenüberliegenden Haus findet auf der Terrasse eine Kinderparty statt, laute Musik und kreischende Kids sind zu hören.

Havanna bei Nacht
Nach dem reichlichen Abendessen fahren wir um 20:15 Uhr mit Mayra ins Zentrum, um auf der alten Festung "Fortaleza de San Carlos de la Cabana" die traditionelle Wachablöse zu beobachten. Auf der Festung angekommen, warten schon hunderte Zuschauer auf die Zeremonie. Von der Festung aus hat man auch einen herrlichen Überblick über das beleuchtete Havanna, hier sticht ganz besonders das Capitolio heraus, dessen herrlich beleuchtete Kuppel ein absoluter Augenschmaus ist. Exakt um 21:00 Uhr findet die Kanonenschuß-Zeremonie statt, die von Wachsoldaten durchgeführt wird. Nach dem Böllerschuss, der in der Kolonialzeit das Schließen der Stadttore verkündet hat, ist das Spektakel zu Ende.

Anschließend fahren wir zur ebenfalls beleuchteten Christusstatue, die direkt über dem Hafen von Havanna auf einer wunderschönen Anhöhe situiert ist. Von hier aus fahren wir an die Strandpromenade, um auch bei Nacht die verdeckte amerikanische Botschaft zu besichtigen. Wir stellen das Auto ab und gehen entlang des Malecon, um die hinter den Fahnen versteckte durchlaufende Laufschrift auf dem Gebäude der amerikanischen Botschaft zu sehen. Das Gebäude ist von mehreren Seiten bewacht und am großen Vorplatz und um das Gebäude ist niemand zu sehen. An der meerseitigen Strassenseite sitzen auf der Brüstung viele Jugendliche in Gruppen vereint, je näher wir zur Botschaft kommen umso leerer wird jedoch die Strasse. Endlich haben wir einen Platz gefunden, wo die Leuchtschrift zu lesen ist. Wir versuchen die spanische Nachricht zu entziffern, werden aber von einem kubanischen Polizisten bald darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht erwünscht oder erlaubt ist, hier zu stehen. Wir gehen daher wieder zum Auto zurück und fahren in die Nähe vom Capitolio und besuchen nochmals die Bar Monserrate, in der jetzt eine kubanische Musikgruppe spielt. Das Ambiente bei Rum und Bier ist bezaubernd, die Musik hervorragend und bildhübsche weibliche Gäste zieren das Lokal. Die Musiker spielen sich die Seele aus dem Leib und erzeugen eine Stimmung, die Menschen anlockt und Herzen erwärmt. Gerhard kauft von der Musikgruppe wieder eine CD und danach schlendern wir noch einmal durch die engen Straßen von Havanna, finden jedoch außer ein paar auffordernd angezogener junger Frauen, die auch nicht mit eindeutigem Zulächeln und Ansprechen geizen, kein geeignetes Lokal. Enttäuscht gehen wir wieder zum Auto zurück und fahren nach Hause. Um 01:00 Uhr sind wir wieder in unserer Wohnung, die schon den ganzen Tag andauernde Kinder-Party im gegenüberliegenden Haus ist immer noch voll im Gange, allerdings feiern jetzt die Eltern. Die laute Musik hören wir noch lange und das Einschlafen kann nur mühevoll erfolgen.

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