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Tag 04 -> 05.03.2007

Der erste Regen
Um 05:15 Uhr bin ich heute schon wach und setze mich wie gewohnt auf den Vorplatz. Schon jetzt sieht man sehr viele Leute auf der Strasse. Es ist stark bewölkt aber angenehm warm, etwa eine Stunde später beginnt es leicht zu tröpfeln, danach regnet es ordentlich. Die Natur und auch ich freue mich, da die Temperaturen sofort etwas angenehmer werden. Nach dem gewohnt guten Frühstück fahren wir um 09:10 Uhr zur Bank um Geld zu wechseln und danach sind wir schon Richtung Trinidad unterwegs. Der Kilometerzähler hat bei der Abfahrt einen Stand von 751 km, der Regen hat aufgehört und es ist jetzt bewölkt und angenehm zum Fahren.

Auf geht's nach Trinidad
Über Ciego de Avila fahren wir Richtung Süden und machen in Sancti Spiritus von 11:35 Uhr - 12:15 Uhr eine wohlverdiente Kaffeepause. Nachdem wir uns über die Strasse nach Trinidad erkundigen, fahren wir weiter und das monotone Rütteln und Schaukeln des Autos auf dem holprigen Straßenbelag schaffen es, mich so richtig einzulullen und die Landschaft wie im Trance an mir vorbeiziehen zu lassen. Ich habe jetzt das Gefühl dieses Land schon lange zu kennen und fühle mich hier trotzdem fremd. Jetzt ertönt auch erstmals aus dem CD-Player kubanische Musik, die wir von Putscho erhalten haben und auch der immer wieder gleich anzuhörende Rhytmus trägt das Seine bei. Erst als rechts von uns die Landschaft gebirgiger wird erwache ich wieder aus meinem Trancezustand und mit der Kamera im Anschlag wird auch aus dem fahrenden Auto fotografiert. Um 14:30 Uhr ist es soweit, vor uns zeigt sich die wunderschöne, einer Kirche nachempfundene Ortstafel von Trinidad. Trinidad ist ein koloniales Kleinod, das sich hinter den Escambray-Bergen an der Südküste des Landes befindet und von der UNESCO als Weltkulturerbe unter Denkmalschutz gestellt wurde. Mit seinen prunkvollen Kolonialpalästen aus der Ära der Zuckerbarone gehört es auf jede Reiseroute. Vor allem das holprige Kopfsteinpflaster prägen den Ortskern von Trinidad.

Wir fahren gleich mitten ins Zentrum von Trinidad und suchen Übernachtungszimmer. Nur schwer kommen wir durch die engen Gassen der Altstadt zwischen zahlreichen Fußgängern, Radlern und Fuhrwerken voran und finden am bergseitigen Hang eine große, schöne Anlage der Fa. Cubanacan. Trotz herrlicher Aussicht über die Stadt ist uns der Preis von 92.- CUC für das Doppelzimmer zu hoch. Deshalb geht’s wieder zurück in die Altstadt und bei langsamer Fahrt über das berüchtigte Kopfsteinpflaster winkt uns ein junger Mann zu und fragt ob wir Zimmer suchen. Fritz erklärt ihm was wir suchen und er meint, dass er sicher etwas für uns hat. Fritz sagt ihm unsere Preisvorstellungen und der junge Kubaner verschwindet im gegenüberliegenden Haus. Wir warten im Auto und nach ca. 5 Minuten kommt er wieder und fährt mit dem Fahrrad voraus. Nach ein paar Minuten sind wir bei den Privat-Vermietern angelangt, es sind zwei nebeneinander liegende Häuser am Stadtrand von Trinidad. Die Zimmer und vor allem der Preis von 12,50 CUC inkl. Frühstück entsprechen unseren Vorstellungen und wir machen uns häuslich und mieten uns für 3 Tage ein.

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Abend in Trinidad
Am Abend gehen wir in Richtung Altstadt, Fritz und Joe essen am Ende unserer Strasse am gegenüberliegenden Eckhaus eine Pizza. Nachdem wir hier die Strassenrichtung nach rechts wechseln, versuche ich mir die Pizzeria gut einzuprägen. Bei einer Bankfiliale geht’s dann wieder links weiter und wir erreichen einen großen Platz im Zentrum von Trinidad. Zierliche, grün gestrichene schmiedeeiserne Bänke schmücken den kleinen Park, der mit herrlich angelegten Grünstreifen zum Verweilen einlädt. Der Parque Jose Marti auch Plaza Mayor genannt, ist der Mittelpunkt der Stadt, um den sich die Kathedrale und einige in Museen verwandelte Bürgerhäuser gruppieren. Mit seinen Palmen verbreitet er seinen eigenen Charme. Gegenüber finden wir ein Restaurant wo wir unseren Hunger stillen möchten. Im Lokal sind keine Gäste und wir nehmen an einem Tisch Platz, bald darauf kommt die Bedienung vorbei und Fritz ersucht um eine Speisekarte. Die Bedienung gibt ziemlich missmutig zu verstehen, dass sie keine Speisekarte bringt und wir auf der vor dem Eingang aufgestellten Tafel unser Essen aussuchen sollen. Dieser Service behagt uns überhaupt nicht und wir verlassen dieses Lokal wieder und gehen weiter Richtung Altstadt.

Jetzt sind wir im Bereich des Kopfsteinpflasters und hinter den schmiedeeisernen Fenstergittern sitzen Frauen, schauen teilnahmslos heraus oder plaudern mit Nachbarn. Überall und an jeder Ecke stehen Leute und es kommt hier relativ oft vor, dass wir um ein paar Pesos angebettelt werden oder etwas kaufen sollen. Ein tiefer Einblick in die Wohnungen ist durch die nur vergitterten Fenster überall gegeben. Dunkle Zimmer mit Schaukelstühlen, Deckenventilatoren und ein in voller Lautstärke laufender Fernsehapparat ist üblich. Kitschige große Gemälde hängen an den Wänden, Porzellan- und Holzfiguren in allen Größen, schlanke Krüge voller Plastikblumen und Männer, Frauen und Kinder sind vertieft in das was der Fernseher von sich gibt. Wir gehen weiter Richtung oberen Stadtteil und befinden uns jetzt im für Fahrzeuge abgesperrten Teil der Altstadt. Wir finden ein wunderschönes Restaurant mit Terrasse, wo wir übrigens ausgezeichnet zu Abend essen. Danach spazieren wir weiter Richtung oberer Stadtteil und im Bereich einer Kirche hören wir aus einem Lokal kubanische Musik. Wir gehen in Richtung der Musik und nehmen auf der Freiterrasse Platz und lauschen bei Bier und Rum den kubanischen Klängen. Nach ein paar Musikstücken beenden die eifrigen Musiker ihre Darbietungen und versuchen ihre CD an den Mann zu bringen oder ein Trinkgeld zu ergattern. Jeder von uns gibt 1.- CUC und Gerhard legt den Rest drauf und kauft zur Freude des Musikers eine CD zum Preis von 10.- CUC. Danach verabschieden sich die Musiker und eine neue Musikgruppe erscheint. Auch sie hauen sich wieder voll ins Zeug und versuchen das Beste zu geben. Auch bei dieser Gruppe kauft Gerhard mit unserer Unterstützung eine CD mit kubanischer Musik. Danach entschliessen wir uns ein anderes Lokal aufzusuchen, kommen jedoch nach kurzer Zeit wieder enttäuscht zu diesem Lokal zurück. Mittlerweile ist die Terrasse fast voll und wir können uns gerade noch vor der Tanzfläche einen Tisch ergattern. Ein nettes, junges Paar aus Litauen sitzt unmittelbar neben uns mit dem wir uns gut unterhalten.

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Der Rum fliest an diesem Abend auch nicht schlecht und letztendlich habe auch ich mich dazu entschieden, vom Bier auf Rum umzusteigen. So wird eine Runde nach der anderen bestellt und irgendwann haben sich Gerhard und Fritz verabschiedet. Blöderweise hat Joe die Visitenkarte unserer Zimmervermietung Gerhard gegeben, was sich später noch bitter rächen sollte. Nachdem Joe und ich nur noch alleine übrig bleiben und alle Gäste verschwunden sind, entschließen auch wir uns endlich auf den Nachhauseweg zu gehen. Doch spätestens nach den ersten Gehversuchen von Joe auf dem holprigen Kopfsteinpflaster wird mir bewusst, dass wir unbedingt ein Taxi benötigen. Dieser Wunsch ist auch bald erfüllt und wir sitzen in einem Taxi, wissen jedoch nicht wo wir hinfahren müssen. Die Visitenkarte wäre jetzt Goldes wert, aber leider hat sie Joe weiter gegeben. Ich versuche daher dem Taxifahrer auf Englisch zu erklären, dass er uns an den großen Platz mitten in Trinidad fahren soll. Er fährt los und wir verlieren in der Dunkelheit komplett die Orientierung. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Taxifahrer und sein Beifahrer uns bewusst kreuz und quer durch Trinidad fahren. Nach ca. einer halben Stunde Fahrzeit und ohne je an dem großen Platz vorbei gekommen zu sein stoppe ich das Taxi und wir steigen nach Bezahlung aus. Jetzt versuche ich mit Joe zu Fuß weiter zu kommen, doch schon bei der nächsten Strassenquerung verliert Joe den Boden unter den Füssen und stürzt zu Boden. Ich möchte ihn noch festhalten, doch es gelingt mir nicht. Er liegt am Strassenrand und blutet an der rechten Schläfe und ich biete all meine Kraft auf um ihn über den extrem hohen Gehsteig von der Strasse weg zu zerren, doch ohne Erfolg. Ein vorbeifahrendes Taxi sieht dies, hält an und hilft mir. Nachdem wir Joe an seiner Platzwunde kurz verarzten steigen wir ins Taxi ein und beginnen erneut mit der Suche des großen Platzes. Plötzlich sehe ich auf der linken Strassenseite wieder die Bank und kann mich sofort an den weiteren Verlauf des Weges erinnern. Ich erkläre dem Taxifahrer wo er hinfahren soll und kurze Zeit später sind wir vor unserem Privatquartier angelangt. Erleichtert bezahle ich das Taxi und gehe mit Joe auf unser Zimmer.

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