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Tag 03 -> 04.03.2007

Morgenstund hat Gold im Mund
Ich stehe um 06:00 Uhr auf und setze mich nach dem Duschen wieder auf einen Schaukelstuhl am Hausvorplatz und genieße die morgendliche Ruhe. Auf meinem PDA notiere ich das Wichtigste des gestrigen Tages und als ich die Notizen abschließen möchte, höre ich schon von Weitem lautes Männergesang. Eine Stimme kommt mir bekannt vor und ich täusche mich nicht, nachdem ich aufstehe und in Richtung der Stimmen schaue, erblicke ich Joe und Sepia mit einem Bier und einer Rumflasche bewaffnet vom etwas verlängerten Nachtrundgang zurückkommen. Beide haben die Nacht zum Tag gemacht und laden mich sogleich zum Mittrinken ein. Ich habe dankend abgelehnt und Joe erzählt mir, dass sie in einem nahegelegenen Lokal auf der Freiterrasse durchgemacht haben.

Sepia macht sich nach einem kurzen Nickerchen auf einem Schaukelstuhl trotz der anstrengenden Nacht gleich daran, Estrella beim Zubereiten des Frühstücks und Aufdecken des Geschirrs tatkräftig zu unterstützen. Beim Frühstück erzählt Putscho, dass wir heute in die „Koperativa“ fahren um dort beim Baden einen angenehmen Tag zu verbingen. Diesen Ausflug hat er schon Tage davor organisiert und extra wegen uns wurde das ganze Schwimmbecken gereinigt und mit frischem Wasser aufgefüllt. Die Koperativa ist ein Zusammenschluss mehrerer Bauern zu einer Genossenschaft, die für den Staat das Land bewirtschaften und der Chef dieser Koperativa ist ein guter Freund von Putscho.

Nach dem Frühstück sitze ich wieder im Schaukelstuhl und blicke sehnsuchtsvoll ins Leere, als Joe im Vorbeigehen bemerkt, dass wir zwei heute eine Kutschenfahrt machen und dies filmen und fotografieren werden. Er entfernt sich und nach kurzer Zeit kommt er mit einem Fahrrad-Taxi zurück und ruft mich auf die Straße zum Fotografieren und Filmen. Wir fahren jeder einmal die Straße rauf und runter und danach fährt er mit dem Fahrrad-Taxis wieder zurück zu seinem Standort und ruft mir noch zu, dass er gleich mit einer Kutsche vorbeikommt. Tatsächlich kommt er ein paar Minuten später mit einem Pferdegespann mit Anhänger des Weges und dasselbe Spiel mit einmal die Straße rauf und runter beginnt von Neuem. Nachdem wir alles gefilmt und unsere Fotos gemacht haben gibt sich Joe zufrieden und das Pferdegespann trabt wieder zurück.

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Koperativa
Um 10:30 Uhr starten wir mit Sepia zur Fahrt in die Koperativa. Am rechten Hinterrad scheint wieder einmal etwas zu wenig Luftdruck vorhanden zu sein, weshalb wir zu einer nahegelegenen Werkstätte zum Nachfüllen fahren. Während des Aufenthaltes vor der Werkstätte trifft Fritz seinen Bekannten Chino, der selber Zigarren dreht und ihm schon öfters Zigarren guter Qualität besorgt hat. Er bringt Kostproben seiner Produkte vorbei und wir möchten danach weiter fahren, aber Joe ist plötzlich nirgends aufzufinden. Wir suchen überall vergeblich nach ihm und beschließen ohne ihn weiter zu fahren. Die Fahrt führt uns weit hinaus ins ländliche Gebiet und vorbei an großen Zuckerrohrplantagen. Nachdem wir Gleisanlagen überqueren sehen wir schon von Weitem eine große Zuckerrohrverladeanlage. Über eine große Zerkleinerungsmaschine mit Gebläse wird das Zuckerrohr von den Blättern gereinigt und die zerkleinerten Rohrstängel über ein langes Förderband in die bereitgestellten Waggons verladen. Die Blätter werden vom Gebläse im hohen Bogen herausgeschleudert und im gesamten Umkreis dieser Anlage fliegen Blätter durch die Luft. Wir fahren weiter, kommen an einem Sportplatz mit Fußball spielenden Kindern vorbei und erreichen schließlich das Schwimmbad, das sich mitten im Wohngebiet der Bauern befindet.

Das Schwimmbecken ist im Vergleich zum Umfeld ein wahres Prachtstück in mitten von zerfallenen Gebäudeteilen, alten rostigen landwirtschaftlichen Geräten und Fahrzeugen sowie primitiven Tierbehausungen und Ställen. Eingezäunt mit einem hohen Maschendrahtzaun und längsseitig mit unter hohen Königs-Palmen stehenden Tischchen und Sitzgelegenheiten ausgestattet, scheint diese Anlage hier völlig falsch am Platz zu sein. Auf der Vorderseite ist die Anlage mit einem Unterstand für Grillaktivitäten bei Festveranstaltungen und auf der entgegengesetzten Seite mit einer mit einem Bild bemalten Wand, hinter der sich die WC-Anlagen befinden, versehen. Übrigens wurde dieses große wunderschöne Bild, das eine landwirtschaftliche Szene zeigt, von Putscho entworfen und gemalt, wobei ihm Sepia geholfen hat.

Joe kommt
Da auch heute wieder die Temperaturen sehr hoch sind und uns von der Autofahrt noch die Schweißperlen auf der Stirn stehen stürzen wir uns zur Abkühlung gleich ins erfrischende Wasser. Auch Schneider Walter mit seiner Schwiegermutter und seinem kleinen Sohn nützen die Möglichkeit zum Baden in dieser Anlage und kommen ebenfalls vorbei. Kurz vor 12:00 Uhr fahren Fritz und ich mit dem Auto nach Moron zurück, um nach Joe zu schauen. Während wir auf dem langen Feldweg Richtung Hauptstrasse unterwegs sind sehen wir schon von Weitem ein Fahrrad-Taxi entgegen kommen. Was wir uns schon als kleine Vorahnung denken wird zur Realität. Auf dem Rücksitz des Fahrrad-Taxis winkt uns Joe entgegen und der kubanische Fahrer strampelt ziemlich verschwitzt und nicht gerade erfreut die Strasse entlang. Wir kehren wieder um und Joe lässt sich vom Fahrer bis vor’s Schwimmbad kutschieren. Die Entlohnung muss auf jeden Fall fürstlich gewesen sein, da der vorher völlig geschaffte Fahrer danach plötzlich ein breites Grinsen in seinem Gesicht hat und nach einer kurzen Trinkpause wieder abfährt. Joe erzählt uns, dass er mit seiner Filmkamera von der Werkstätte auf die Hauptstrasse voraus gegangen ist, um uns beim Vorbeifahren zu filmen. Allerdings haben wir ihn am Strassenrand nicht bemerkt und sind einfach an ihm vorbei gefahren. Er hat sich noch gewundert und ist dann mit einer Pferdekutsche bis zum Stadtrand von Moron gefahren. Danach ist er ein Stück zu Fuß gegangen und hat dann an einem Haus ein Fahrrad-Taxi entdeckt. Er musste schon seine ganze Überredungskunst anwenden, den Kubaner dazu zu bewegen, ihn zur Koperativa zu fahren. Erst mit einer entsprechenden Entlohnung war er bereit dies zu tun - der Fahrer dürfte jedoch das Geschäft seines Lebens gemacht haben, da Joe ihm nach der enormen Anstrengung den doppelt vereinbarten Lohn gegeben hat.

Am Nachmittag kommen auch noch Putscho, Estrella und ihre Tochter mit Freund zum Schwimmbad und bringen etwas zum Essen mit. Sogar der Chef der Koperativa mit seiner Frau läßt es sich nicht nehmen vorbei zu kommen. Joe hat sich inzwischen eine Stunde in die Wiese zum Schlafen gelegt. Auch an diesem Nachmittag sind wieder die Gesellschaftsspiele von Gerhard im Mittelpunkt und alle möchten an dem Holzstäbchen mit Propeller ihr Glück und Geschick versuchen.

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Am späten Nachmittag fahren wir wieder zurück nach Moron. Der vorher auch mit seiner Freundin zur Koperativa gekommene Zigarrenverkäufer Chino nimmt voller Stolz Joe und mich mit seinem wirklich schön hergerichteten Pontiac mit. Zuhause angekommen legen wir uns müde und abgekämpft etwas nieder und später gibt es zum Abendessen Fisch (Bargo), Reis und Salat. Wie üblich begeben wir uns wieder auf die Terrasse und lauschen an diesem lauen Abend den Klängen der kubanischen Musik, die aus dem Büro vom Putscho in voller Lautstärke dröhnt. Joe und Sepia verschwinden heute schon etwas früher und auch wir verziehen uns schon recht bald zur Nachtruhe.

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