Über michBilderReiseberichteVideosPanoramabilderLinksGästebuch

Tag 01 -> 02.03.2007

Wir sind in Moron
Wir machen uns in unseren zugewiesenen Zimmern häuslich und packen die Koffer aus. Gerhard und ich bekommen ein Einzelzimmer, während Fritz und Joe in einem Zimmer gemeinsam einquartiert werden. Nachdem ich verzweifelt mein Handy gesucht und nicht gefunden habe versuche ich um 05:30 Uhr mich niederzulegen. Ich kann ganz einfach nicht einschlafen und vor allem der Hahn der Nachbarschaft kennt keine Gnade. Trotzdem versuche ich krampfhaft die Augen zu schliessen, doch um 06:00 Uhr werde ich von einem ohrenbetäubenden Gekrächze wieder aus meinem Döszustand herausgerissen. Ich überlege noch kurz was das denn für ein lautes und seltsames "Geräusch" sein kann, schließe aber darauf zurück, dass ich in meinem momentan übernächtigten Zustand die Geräusche nicht mehr richtig wahrnehmen kann. Ich versuche weiter meinen Schlaf zu finden, aber es gelingt mir ganz einfach nicht so richtig, vor allem mein fehlendes Handy macht mir gedanklich zu schaffen. Kurz vor 07:00 Uhr höre ich Stimmen und entschliesse mich aufzustehen. Es sind Putscho, Estrella und Joe die im Essbereich sich unterhalten.

Alles ist schon bereit für unser Frühstück, das wir gemeinsam mit dem Gastgeber Putscho um 07:15 Uhr einnehmen. Der Tisch ist reich gedeckt und den Kaffee bestellen wir in weiser Voraussicht ungesüsst. Jetzt erfahre ich, was das um 06:00 Uhr für ein ohrenbetäubendes Geräusch war. Unmittelbar vor unserem Haus befindet sich das Wahrzeichen von Moron, ein überdimensionaler, eiserner Hahn und ein danebenstehender Turm mit Lautsprechern. Pünktlich um 06:00 Uhr und um 18:00 Uhr wird von den Lautsprechern ein krächzender Hahn zum Besten gegeben.

Begrüßungs- und Umarmungsrituale
Jetzt lernen wir so richtig die kubanischen Verhältnisse kennen. Jeden Moment treffen neue Leute aus der Nachbarschaft ein um uns zu begrüßen oder Estrella bei der Arbeit zu helfen. Besonders Fritz und Joe werden von allen wie in Kuba üblich mit einem Wangenkuß begrüßt und herzlich in die Arme genommen. Besonders auffällig dabei ein kleiner, stämmiger Kubaner Namens "Sepia" der mit seinem Dauerlächeln wirklich sympatisch wirkt und als Freund des Hauses Estrella bei der Arbeit tatkräftig hilft. Wie wir erfahren, ist er mit der Familie Putscho stark verbunden und hilft überall wo Not am Mann ist mit. Auch unsere Gastgeberin Estrella hat stets ein Lächeln auf den Lippen, leider spricht sie wie auch Sepia aber nur spanisch. Ihr Ehemann Putscho, ein begnadeter Maler und angesehener Mann in Moron und Umgebung spricht neben Spanisch auch gerne Englisch mit uns. Nach dem Frühstück und den zahlreichen Begrüßungen ziehe ich mich auf mein Zimmer zurück und suche nochmals vergeblich nach meinem Handy. Da ich es nicht finde telefoniere ich mit dem Handy von Fritz nach Österreich und lasse meine SIM-Karte sperren.

Zurück

Weiter

Die Stadt kennen lernen
Während Fritz mit Putscho und Gerhard nach Ciego de Avila zur Integrationsbehörde zum Anmelden fährt, spaziere ich mit Joe das erste Mal in die Stadt und mache meine ersten Bilder. Der Himmel ist strahlend blau, das Licht blendet und meine Neugierde treibt mich voran. Es ist faszinierend was sich so alles auf der Strasse abspielt. Viele Leute sind zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Pferde-Gespannen unterwegs. Auch zahlreiche amerikanische Strassenkreuzer aus den 50-ziger Jahren mit qualmenden Auspuffen prägen das Stadtbild. Überall stehen oder sitzen Kubaner vor ihren Häusern, quatschen miteinander oder werkeln an ihren teils schrottreifen Fahrzeugen herum. Besonders auffallend in Moron sind die vielen Fahrrad-Taxis sowie die Kutschen für die Touristen. Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und ist überwältigt vom Geschehen auf den Strassen. Alles geht jedoch sehr ruhig und ohne Hektik vor sich, die Leute sind sehr freundlich. Erstaunlich und verblüffend ist die Art wie hier Leute transportiert werden. Vom Riesenbus, einem Camäleon ähnlich bis zum einfachen Lastwagen oder Pferde-Gespann wird alles für den Transport verwendet.

Entlang der Hauptstrasse queren wir eine Eisenbahnkreuzung und als ehemalige Eisenbahner interessiert uns natürlich brennend der nahegelegene Bahnhof. Zahlreiche Kutschen, Fahrradtaxis und Busse aller Art prägen den schönen Vorplatz vom Bahnhof. Wir betreten die dunkle, muffige Schalterhalle und gehen Richtung Bahnsteig, wo eine elegant gekleidete hübsche Frau vor einem längsseitigen Absperrgitter sitzt. Die Frau ist vermutlich für die Fahrkartenkontrolle beim Zustieg verantwortlich. Bis auf ein paar abgestellte alte, baufällige Personenwagen mit Holzaufbau ist auf den Gleisanlagen nichts zu sehen. Vergeblich warten wir darauf, dass vielleicht doch noch ein Zug sich im Bahnhof bewegt. An der großen, dunklen Wand in der Schalterhalle finden wir einen hangeschriebenen Fahrplan mit Preisliste, wo ersichtlich ist, dass am Morgen und am Abend ein Zug den Bahnhof verlässt. Dies dürfte auch der Grund sein, weshalb nur wenige Leute am Bahnhof zu sehen sind.

Nachdem wir Geld gewechselt und uns das Museum von Moron angesehen haben erfrischen wir uns an einem kleinen Kiosk mit Sitzmöglichkeit mit kalten Getränken. Von hier aus können wir das Geschehen auf der Strasse gut beobachten, wobei auffallend viele Schulklassen in ihren je nach Schulstufe einheitlich gekleideten Uniformen an uns vorbei gehen. Auf dem Hauptplatz ist heute eine Buchausstellung die von zahlreichen Schülern besucht wird. Danach suchen wir das Postamt und schauen ob es dort einen Internet-Anschluss gibt. Wir finden es sofort und können uns auch über zwei PC-Anlagen zum Surfen erfreuen. Wir beschließen, dass wir zurück gehen, da bereits Mittag ist und wir Morgen nocheinmal hier her kommen um eine E-Mail an unsere Familien abzusenden.

Wir hätten uns eigentlich noch länger in der Stadt aufhalten können, da Fritz und die anderen erst um 14:30 Uhr von Ciego de Avila zurück kommen - Behördenwege dauern in Kuba halt etwas länger. Anschließend gibt es das Mittagessen, wieder erwartet uns ein reich gedeckter Tisch mit Fisch, Reis und Salat. Noch immer kommen Leute und begrüßen uns. Am späten Nachmittag gehen wir auf Zimmersuche in der Umgebung, da wir bei Putscho offiziell nicht schlafen dürfen. Dies kann nur Fritz, da er aufgrund der Anmeldung bei der Integrationsbehörde als Verwandter hier schlafen darf. In der Nähe finden wir zwei "Casa particulare" zu einem günstigen Preis von CUC 10,00 je Nacht, die wir jedoch nur zum Schlafen benutzen, die Koffer lassen wir bei Putscho.

Nach dem Abendessen, diesmal mit äußerst schmackhaft zubereitetem Tintenfisch, Garnelen, Reis und Salat sitzen wir auf der Terrasse und unterhalten uns mit kniffligen Spielen, die Gerhard mitgebracht hat. Natürlich gibt es auch viel zu erzählen und an diesem Abend fließt reichlich Alkohol und die Müdigkeit scheint auf einmal nicht mehr da zu sein. Erst um 01:30 Uhr bin ich schlafen gegangen.

< zurück > nächste Seite